Filmofen

Seelen (The Host) (2013)

20.05.2013

Inhalt:

In nicht allzu ferner Zukunft wird die Menschheit von einer Alien-Invasion unterjocht. Die Eindringlinge benötigen die menschlichen Körper als Wirte und auch Melanie (Saoirse Ronan), eine der letzten Freiheitskämpfer, fällt ihnen zum Opfer und bekommt eine Alien-Seele namens Wanderer eingepflanzt. Laut vorherrschender Meinung erlischt die menschliche Seele eines besetzten Körpers, doch im Falle von Melanie ist dies anders. Sie wehrt sich gegen den Eindringling und versucht alles, um die ihr nahestehenden Menschen zu schützen.

Review:

Seit dem immensen Erfolg der "Twilight"-Filme quillt der Filmmarkt nur so über von weichgespülten Fantasy-Romanzen. Es ist also wenig überraschen, dass auch das andere Werk der "Twilight"-Autorin Stephenie Meyer verfilmt werden würde. Statt Vampiren und Werwölfen geht es in "Seelen" nun um eine Alien-Invasion, doch wer meint, Meyer würde neue Wege beschreiten, täuscht sich.
Der Film beginnt damit, dass sich die Protagonistin Melanie lieber aus einem Fenster in den Abgrund stürzt, als den Alien-Besatzern in die Hände zu fallen. Doch sie überlebt und bekommt die Seele namens "Wanderer" eingepflanzt. Diese beginnt alsbald unter der Anleitung der Sucherin (Diane Kruger) in Melanies Erinnerungen nach dem Aufenthaltsort einer Gruppe von Überlebenden zu suchen. Doch in Melanies Kopf findet ein erbitterter Kampf statt. Sie versucht ihre Erinnerungen zu schützen und die fremde Seele für sich zu gewinnen. Gar nicht so schwer, denn das Ganze dauert lediglich 25 Minuten. Schon bald befindet sich Melanie/Wanderer auf der Flucht und findet ihren Weg zurück zu ihrer Familie.

Wer damit rechnet, dass nun die große Revolution losbrechen wird und die verbleibende Menschheit sich mit dem Insider-Wissen von Wanderer gegen die Aliens wehren wird, der wird herb enttäuscht werden. Denn es geht hier vordergründig gar nicht um die Frage, wie die Menschheit ihren Planeten zurückgewinnen könnte, sondern - und das ist selbstverständlich ja die viel dringenderer Frage - wen Melanie denn nun küssen soll. Es wäre ja kein Roman von Stephenie Meyer, wenn hier nicht mindestens eine Dreiecksbeziehung im Raum stehen würde. Oder ist es eine Vierecksbeziehung? Hach, es ist ja gar so kompliziert mit zwei Seelen in einem Kopf. Alsbald kann man feststellen, dass auch die 1000-jährige Weltenwanderin im Innersten ein pubertierendes Teenie-Mädchen ist. Es ist aber auch unsagbar schwer, wenn man gleich drei so bildhübsche Kerle in seinem Leben hat, die - wenn sie nicht gerade Landbau betreiben - vermutlich mit Sit-Ups beschäftigt sind und irgendwo in ihrer Höhle mit Sicherheit einen geheimen Riesen-Vorrat an Haarpflegeprodukten versteckt haben.

Den Großteil der mit 125 Minuten viel zu langen Laufzeit über muss man als Zuschauer eine platte und emotionslose Schnulze ertragen, die zu allem Überfluss in einer tristen Höhle spielt. Man hätte die Aliens wohl auch einfach weglassen und als Protagonistin ein schizophrenes Mädchen nehmen können. Das währe vermutlich eine interessantere Prämisse gewesen, wirft sie doch weit spannendere Fragen auf als diese jämmerliche Entschuldigung für eine Science-Fiction-Romanze. Für einen Film, der den Titel "Seelen" trägt sind die Charaktere unglaublich leblos und uninteressant. Noch dazu führt ihr peinliches Verhalten häufig zu unfreiwilliger Komik. Vor allem dann, wenn sie so hochintelligente Dialoge von sich geben dürfen wie "Du solltest schlafen"(er) - "Schlaf mit mir"(sie).

Da kann man schon mal gedanklich abdriften und darüber nachdenken, ob es denn wirklich so eine gute Idee ist, dass die futuristischen Fahrzeuge allesamt Hochglanz-verspiegelte Karosserien haben und somit wohl nicht selten zu Unfällen in Folge von Blendungen anderer Verkehrsteilnehmer führen. Oder warum die hochentwickelte Alien-Rasse den vermuteten Aufenthaltsort der gesuchten Individuen nicht einfach per Satellit überwacht, anstatt alle paar Tage mal mit einem Helikopter darüber zu kreisen. Der Bösewicht in Form von Diane Kruger stellt alles andere als eine Furcht einflößende Bedrohung dar. Auch Saoirse Ronan konnte man schon weit besser erleben als in dieser undankbaren Rolle, in der sie des Öfteren mit leerem Blick in die Kamera starren muss, während in ihrem Kopf Streitgespräche stattfinden.

Das von Pathos nur so triefende Ende, in dem natürlich wieder irgendwie die Liebe siegt und ein Charakter "etwas gefunden hat, wofür es sich zu sterben lohnt", lädt herzlichst dazu ein, vor Fremdschämen im Sitz zu versinken. Man hört vielerorts, die Romanvorlage sei der Filmadaption weit überlegen. Wenn ein für den Oscar nominierter Drehbuchautor, namentlich Andrew Niccol, der als Schreiber und Regisseur die Hauptverantwortung für dieses missratene Vehikel trägt, nicht in der Lage ist, ein Drehbuch zu schreiben, das besser ist als das Buch von Stephenie Meyer, auf dem es basiert, dann weiß man eigentlich auch schon alles, was man über den Film wissen muss. Glücklicherweise konnte "Seelen" an den Kinokassen nicht einmal ansatzweise an den Erfolg der "Twilight"-Filme anknüpfen, sodass die Fortsetzung, nach der das Ende förmlich schreit, mit etwas Glück nie ihren Weg auf die Leinwand finden wird. Obgleich Meyer längst angekündigt hat, an einem weiteren Roman zu arbeiten.

2/10