Filmofen

Godzilla (2014)

15.05.2014

Inhalt:

Im Jahr 1999 kommt es am Janjira Atomkraftwerk in Japan zu einem Super-GAU, der angeblich durch ein Erdbeben ausgelöst wurde. Joe Brody (Bryan Cranston) war zu dieser Zeit ein leitender Angestellter im Atomkraftwerk und muss zusehen, wie seine Frau (Juliette Binoche) in dem Unfall zu Tode kommt. Brody ist jedoch überzeugt davon, dass es nicht nur ein Erdbeben war, dass die schrecklichen Ereignisse verursachte. Als 15 Jahre später exakt die selben Erdschwingungen registriert werden, macht er sich mit seinem Sohn Ford (Aaron Taylor-Johnson) auf in die angeblich verstrahlte Zone auf der Suche nach Antworten. Die beiden Wissenschaftler Vivienne Graham (Sally Hawkins) und Dr. Ichiro Serizawa (Ken Watanabe) sind ihm unterdessen schon ein ganzes Stück voraus und wissen, dass urzeitliche Monster im Spiel sind.

Review:

Es scheint ja ein gewisser Trend in Hollywood zu existieren, dass man einem relativ unbekannten Regisseur nach einem mehr oder weniger erfolgreichen Debütfilm ein gewaltiges Budget in die Hand drückt, um einen großen Blockbuster auf die Leinwand zu bringen. So auch im Fall von Godzilla, für dessen Wiedererweckung Regisseur Gareth Edwards angeheuert wurde. Nach seinem low-budget Hit Monsters aus dem Jahr 2010 bekam dieser nun ein üppiges Budget, um pünktlich zum 60. Geburtstag des Urzeitmonsters einen etwas anderen Blockbuster zu inszenieren.

Etwas anders ist Godzilla zweifellos. Statt sich dazu verleiten zu lassen, ein von Effekten überladenes Actionspektakel zu inszenieren, lässt sich Edwards zunächst jede Menge Zeit das Szenario aufzubauen. Wie schon bei Monsters zeigt er die Monstergeschichte aus der Sicht einiger weniger Figuren. Das ist durchaus etwas gutes und vor allem mutig, den großen Godzilla irgendwo doch auf eine kleinere, persönlichere Ebene herunterholen zu wollen. Man erlebt das Geschehen direkt, als wäre man dabei, statt die Rolle eines passiven Zuschauers einzunehmen, der das Geschehen von außen überblickt. Edwards schafft es dadurch, eine ziemlich tolle Atmosphäre zu kreieren und für ein gutes Maß an Spannung zu sorgen. Der “persönliche” Blick gipfelt dabei in einer der visuell beeindruckendsten Szenen, dem Fallschirmsprung in Egoperspektive, der in den Trailern leider schon vorweg genommen wurde. Edwards ist zweifellos ein sehr visueller Regisseur (und schließlich auch ein Effektspezialist), der ein optisch einwandfreies Werk auf die Leinwand gebracht hat.

Ein Problem bei seiner Herangehensweise ist allerdings, dass es schon eine interessantere Story und vor allem vielschichtigere Charaktere gebraucht hätte, damit das Konzept wirklich funktioniert. Die vielversprechendsten Figuren bleiben leider nicht lange genug am Leben (auch das ist mutig, aber nicht immer klug), während diejenigen, die mit der meisten Leinwandzeit ausgestattet sind, einfach nicht ganz so interessant sind. Wen kümmert der muskelbepackte Waffenspezialist Ford schon wirklich? Gerade die Damen des Films kommen leidlich zu kurz. Elizabeth Olsen als Fords Ehefrau ist zum klischeehaften Überfluss auch noch Krankenschwester und Sally Hawkins verkommt eher zum Wissenschaftler-Sidekick, als wirklich etwas zur Handlung beitragen zu dürfen.

Godzilla-Filme kommen in der Regel ohne eine komplexe Handlung aus, da ist dieser hier auch keine Ausnahme. Wenn man sich also so stark auf die Geschichte und seine Figuren stürzt, dann sollte man auch etwas vorzuweisen haben. Man nimmt sich hier ein wenig zu ernst, statt die Ursprünge im B-Movie anzuerkennen und ein gewisses Augenzwinkern mit reinzubringen. Dann darf man dem Zuschauer auch keinen Vorwurf machen, wenn er ab und an beginnt, über die Logikschwächen nachzudenken. Warum schicken sie eigentlich Kampfjets, wenn sie doch genau wissen, dass ein EMP droht, der sie sogleich aus der Luft holt? Ford und Familie haben aber auch ein Pech, dass sich die Spur der Zerstörung von Japan ausgerechnet in die amerikanische Heimat zieht und somit genau der Reiseroute von Ford entspricht.

Wenn es bei den menschlichen Figuren hapert, wie sieht es dann bei den Monstern aus? Für einen Film mit dem Titel Godzilla kommt in dieser Inkarnation ganz schön wenig vom titelgebenden Monster vor. Bestimmt zwei Drittel der Laufzeit sind vorüber, bevor man ihn in seiner vollen Größe bewundern und ordentlich in Aktion sehen darf. Schön, dass die anderen Monster nicht bereits im Promo-Material zu sehen waren und auch nicht aus bereits bestehenden Godzilla-Filmen entliehen wurden. Denn Godzilla ist hier gar nicht der Böse, wie es in all den Trailern den Eindruck gemacht hatte, nein, er ist der Gute, der zwar auch eine Bedrohung für die Menschheit darstellt, aber zunächst derjenige ist, der sie vor den anderen bösen Monstern bewahrt und das Gleichgewicht der Natur hält. In dieser Hinsicht und auch in Sachen Design folgt man hier ganz der klassischen Entwicklung des bestehenden Filmkanons über das Urzeitmonster, sehr zur Freude des Fans. Und doch wird man bei so wenig Godzilla in einem Film namens Godzilla das Gefühl des Etikettenschwindels nicht gänzlich los. Es ist objektiv betrachtet völlig in Ordnung, den Zuschauer ein wenig hinzuhalten und auf den einen großen Showdown hinzuarbeiten, so ist man im Finale wenigstens nicht schon völlig übersättigt und ermüdet ist (auch wenn es doch etwas frustrierend ist, von einem Monsterkampf lediglich einige kurze Bilder aus den Nachrichten zu sehen, statt als ordentliche Actionsequenz). Und doch bin ich am Ende irgendwie nicht ganz zufrieden. Das Finale ist sicherlich gut, visuell geradezu brillant, aber nach dem langen Warten hätte die Sequenz gerne etwas länger ausfallen dürfen.

In den alten Godzilla-Filmen war der König der Monster schon immer als Metapher für Atombomben und die Gefahren der Atomtechnologie zu sehen. In Teilen ist das zum Glück auch in der 2014er Version des Films vorhanden und gekonnt modernisiert worden. Neben eindeutigen Referenzen an den Einsatz von Atombomben im zweiten Weltkrieg werden beim Atomunfall und der von Godzilla verursachten Flutwelle auch klare Erinnerungen an Fukushima wach. Andererseits wird die Atomkritik aber auch abgeschwächt. Ja, die Monster werden von der Strahlung angezogen, demnach führt Atomtechnologie zu riesigen Monstern, die unsere Städte verwüsten. Aber, sie ernähren sich von der Strahlung und fressen Atommüll, die Strahlung scheinen sie dabei gänzlich zu absorbieren (im Film findet sich jedenfalls kein Hinweis darauf, dass von den Monstern eine Strahlengefahr ausgeht). Sollte man dann nicht versuchen, die Monster irgendwie lebend einzudämmen und ihnen dann den gesamten Atommüll zu füttern? Problem Endlagerung gelöst!

Wenn ich abschließend so über das lese, was ich geschrieben habe, klingt vieles ziemlich negativ. Doch trotz der angesprochenen Kritikpunkte konnte mich der neue Godzilla durchaus gut unterhalten. Unterm Strich bleibt ein etwas anderer Sommerblockbuster, der mit einer ausgezeichneten Atmosphäre, optischen und auditiven Werten hochgradig zu überzeugen weiß. Allerdings liegt dem Ganzen meines Erachtens nach ein Konzept zugrunde, das nicht gänzlich funktionieren mag und die Schwerpunkte ein wenig am falschen Ort setzt. So werden einige Schwächen betont, statt die offensichtlichen Stärken ordentlich zu nutzen. Einem zweiten Godzilla von Gareth Edwards (und auch mehrmaliger Sichtung des ersten) bin ich aber keinesfalls abgeneigt.

7/10