Filmofen

Charlies Welt - Wirklich nichts ist wirklich (A Glimpse Inside the Mind of Charles Swan III) (2012)

03.04.2013

Inhalt:

Charles Swan III ist ein erfolgreicher Designer im Hollywood der 1970er Jahre. Oder zumindest war er das, denn er befindet sich in einer kreativen Schaffenskrise. Auch privat läuft es alles andere als gut, seine Freundin Ivana (Katheryn Winnick) hat ihn verlassen und der Wirbelsturm der Gefühle führt dazu, dass sich Charles unsicher ist, ob er sie nun zurückgewinnen oder doch lieber nie wieder sehen will. Unterstützt von seinem besten Freund Kirby (Jason Schwartzman) und Manager Saul (Bill Murray) versucht Charles seine Welt wieder ins Lot zu bringen.

Review:

Als Sohn der Regie-Legende Francis Ford Coppola hat Roman Coppola große Fußstapfen zu füllen. Selbst seine jüngere Schwester Sofia hat bereits einen Oscar in der Tasche. Das kann doch nicht so schwer sein, dachte sich wohl auch Roman. Immerhin nominiert war er bereits, dieses Jahr erst, für seine Mitwirkung am Drehbuch zu Wes Andersons "Moonrise Kingdom". Wer hätte gedacht, dass er es schaffen würde, nahezu zeitgleich einen heißen Anwärter auf den schlechtesten Film des Jahres auf die Menschheit loszulassen?

In der Hauptrolle zu erleben ist Charlie Sheen und zum wiederholten Mal drängt sich die berechtigte Frage auf warum dieser selbstverliebte Substanzabhängige eigentlich die Berufsbezeichnung "Schauspieler" führen darf. Mal wieder spielt er eine Version von sich selbst und auch wenn Ansätze einer Selbstparodie zu finden sind, schafft er, der bereits im echten Leben sämtliche Sympathien verspielt hat, es in keiner Weise, für seine Figur auch nur einen Funken Interesse oder gar Mitgefühl beim Zuschauer zu wecken.

Auch sonst könnte man den Film als eine filmische Ausgeburt der Midlife-Crisis des Charlie Sheen betrachten und wer will das schon sehen? Man könnte meinen, Coppoa hätte Sheen in der Entzugs-Klinik besucht, seine Fieberträume und sonstigen geistigen Ergüsse dokumentiert um sie dann in Drehbuch- und schließlich filmische Form zu bringen. Anders kann man sich kaum erklären, wie eine derart unsinnige, zusammenhanglose und scheinbar willkürliche Aneinanderreihung surrealer Sequenzen voll von merkwürdigen und geradezu befremdlichen Einfällen entstehen konnte. Eine Beerdigung endet in einer deplatzierten Tanznummer und Indianer-Amazonen sind auch mit von der Partie. Als Dekonstruktion der Sheen-Persona hätte das womöglich durchaus funktionieren können, doch diese Chance bleibt gänzlich ungenutzt.

Die Einflüsse von und Anleihen bei Wes Anderson indes sind nicht zu übersehen, doch bei Coppola haben sie genauso wie der ganze Rest seiner filmischen Missgeburt weder Hand noch Fuß, ihm fehlt schlicht das notwendige Gespür dafür, seine Ideen in ein stimmiges Ganzes einzubetten. Die Besetzung der Anderson-Veteranen Bill Murray und Jason Schwartzman, die beide gänzlich verloren und verschwendet in diesem heillosen Durcheinander sind, bestärkt diesen Eindruck zusätzlich.

Immerhin ist der Originaltitel treffend gewählt "A Glimpse Inside The Mind of Charles Swan III" lässt eine durchdachte Handlung gänzlich vermissen und bietet wahrlich nur flüchtige Einblicke in die völlig gestörte Persönlichkeit des Charlie Sheen - äh Charles Swan III - doch diese kurzen Momente sind mehr als ausreichend und vermutlich auch mehr als der durchschnittliche Zuschauer auszuhalten vermag. Hier lernt man, wie quälend lang 86 Minuten sein können. Trotz dieser kurzen Laufzeit kann das Ende nicht früh genug kommen. Unbefriedigend auf ganzer Linie.

0/10